Programm

Geschöpf-Titan-Mensch

Die Nachwelt stilisierte ihn zum zornigen, vom Schicksal gebeutelten Genie mit Alleinstellungsmerkmal. Im nächsten Jahr feiern wir seinen 250. Geburtstag, 2020 ist zum Jubiläumsjahr ausgerufen. Ludwig van Beethoven: Geschöpf seiner Zeit ungeheuerlicher Umbrüche, ein Titan in der Musikgeschichte, ein Mensch nicht ganz wie Du und ich. Seit zwei Jahrhunderten allgegenwärtig in den Konzertsälen der Welt und als Projektionsfläche für menschliche Schöpferkraft, zitiert auch gern von falschen Freunden der Menschheit.

Mit dem diesjährige Silvester Festkonzert in Berlins Wahrzeichen, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, setzt Concerto Brandenburg unter der Leitung von Christian-Friedrich Dallmann seine Interpretation der bedeutendsten Orchesterwerke der Klassik fort. Zum Anderen zeigt das diesjährige Konzertprogramm Schöpfergenius und menschliche Verletzlichkeit als untrennbare Einheit.

Ludwig van Beethoven – Ausschnitte aus der Ballettmusik op. 43 – Die Geschöpfe des Prometheus
Johann Wolfgang von Goethe Prometheus
Erich Käster Die Entwicklung der Menschheit
Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur, op 55 – Eroica
Concerto Brandenburg auf historischen Instrumenten
Sabine Vitua – Rezitation
Christian-Friedrich Dallmann – Leitung

Analog zum revolutionärem Elan der 3. Sinfonie (Eroica) und seinem Scheitern, geben zwei Konzepte in lyrischer Form durch Skandalisierung intimen Einblick in die conditio humana: Goethe als Beethovens Zeitgenosse zeugt davon mit seinem Prometheus. Erich Kästner blickt im 20. Jahrhundert nüchtern und skeptisch auf die Entwicklung der Menschheit – belustigt vom so genannten Fortschritt.  Der gescheiterter „Knabenblütentraum“ wie der technische Fortschritt der „Wasserspühlung“ – Sichtweisen auf die conditio humana, die beängstigend zeitgemäß wirken, wie Beethovens Musik.

Was bleibt, soll eine beständige Huldigung der Hoffnung, des Vertrauens in den guten Ausgang jener gepriesenen Menschlichkeit sein. Die großartigen Schauspielerin Sabine Vitua, die gleichermaßen im heiteren wie im ernsten Genre zu Hause ist, wird uns Goethe und Kästner so einfühlsam wie eindringlich vermitteln.